Hanna bestellt sich einen Parkplatz

Hanna | Hannas Welt | Sonntag, 21 Juni 2009
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In meinem Bekanntenkreis finden sich immer mehr liebe Menschen, die „Bestellungen beim Universum“ abgeben. Waren es anfangs nur einige wenige, die mitleidsvoll belächelt wurden, halte ich derzeit bei einer Quote von immerhin 60 %. Ich habe die Zahl nach streng wissenschaftlichen Kriterien statistisch ermittelt. Für jene Leser und -innen, die ihre Bücher nicht nach den Bestsellerlisten kaufen, erkläre ich das Prinzip kurz und ungenau: Man wünscht sich etwas, vertraut darauf, dass es eintritt, denkt nicht mehr daran, und ohne weiteres Zutun geht der Wunsch in Erfüllung. Nicht wenige Autoren der einschlägigen Literatur behaupten, dass sie auf diese Weise zu Geld und Ruhm gekommen sind. Ich habe, vor allem was ihr Geld betrifft, da eine abweichende Theorie, aber darauf will ich jetzt nicht näher eingehen.

Ich wäre nicht Hanna, wenn ich es nicht auch versucht hätte. Und siehe da, es klappt. Immer. Aber nur, wenn ich mir einen Parkplatz bestelle. Ich habe es auch schon mit einem Lottogewinn versucht – Fehlanzeige. Wahrscheinlich lag es aber daran, dass ich nie Lotto spiele. Man muss dem Universum schon die richtigen Voraussetzungen bieten. Auch für das Wetter, beispielsweise anlässlich einer Grillparty, habe ich das Universum schon bemüht. Die Erfolgsquote lag bei etwa 50 %. Und von den anderen Wünschen, die ich schon mehrfach geäußert habe, ist noch kein einziger in Erfüllung gegangen. „Du bist zu wenig überzeugt“, klärt mich meine liebe Freundin C. auf, kann mir aber nicht sagen, wo ich die Überzeugung bestellen kann. „Du darfst – wenn du den Wunsch einmal geäußert hast, nicht ständig daran denken“, weiß meine liebe Freundin D. Okay, Sie dürfen an alles denken, nur nicht an Eisbären. Woran werden Sie also denken? Eben!

Beim Parkplatz hingegen – kein Problem. 100 % Erfolg. Ich käme gar nicht auf die Idee, dass es einmal nicht klappen könnte. So voll kann der Parkplatz, den ich anvisiere, gar nicht sein, dass nicht gerade in dem Moment ein Auto vor meiner Nase aus der Parklücke fährt, gerade so, als hätte es den Platz nur für mich frei gehalten. Kürzlich jedoch passierte etwas Unvorhergesehenes: Ich bestelle bei der Abfahrt meinen Parkplatz, er ist auch frei und groß genug, und normalerweise habe ich keine Probleme mit dem Einparken. Obwohl man ja Frauen pauschal verdächtigt, in Längsparkplätze auch dann nicht hineinzufinden, wenn sie die doppelte Wagenlänge haben, scheine ich zu jenen Exemplaren zu gehören, die ihren alten Mercedes parken können, wo zuvor ein Twingo stand. Daher hatte ich auch diesmal keine Bedenken, bis ich im Rückspiegel sah, dass hinter mir ein gelber Audi stand, dessen Fahrer nicht etwa vorbei fuhr, sondern breit grinsend wartete, wie ich mich wohl anstelle. Sie ahnen es sicher schon: Ich schaffte es nicht.

Fluchend fuhr ich weiter, musste 10 Minuten suchen und dann eine Viertelstunde zurücklaufen. Meine liebe Freundin C., der ich – noch immer ein wenig außer Atem – von meinem Missgeschick erzählte, meinte nur: „Also dem Universum kannst du keinen Vorwurf machen, es ist ganz allein deine Schuld.“ Sie hat natürlich recht. Und ich weiß auch, warum: Der Fahrer des gelben Audi war so überzeugt davon, dass eine Frau, die noch dazu einen alten Mercedes fährt, einfach nicht in der Lage sein KANN, richtig einzuparken, dass meine Überzeugung dagegen nicht ankam. Das Prinzip „Wünsche an das Universum“ wird mir immer klarer. Und ich werde es auch nutzen. Ich muss nur noch dem Rest der Österreicher und -innen klar machen, dass der nächste Lottosechser meiner ist. Ich darf dann nur vor lauter „Nichtmehrdrandenken“ nicht vergessen, den Lottoschein aufzugeben.

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