Raucher oder Nicht-Raucher, das ist hier die Frage…

Ella | Mein Senf | Mittwoch, 25 Juni 2008
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Jeder Mensch hat Laster, auch ich habe einige davon. Eines bin ich seit Dezember des Vorjahres los. Zumindest dachte ich das bis jetzt. Damals entschloss ich mich, nach ungefähr 15 Jahren des Rauchens, zur Nicht-Raucherin zu werden.

Das Jahr 2007 verbrachte ich mit dem Schreiben meiner Diplomarbeit und mit ein bis zwei Packungen Zigaretten täglich. Zwar muss ich zugeben, wurden einige eher von meinem Aschenbecher als von mir geraucht, aber trotzdem waren es immer noch zu viele. Und das störte mich. Ich fühlte mich wie eine Gefangene, eine Gefangene meiner Zigarettensucht. Und ich wollte doch so gerne frei sein. Frei von Gedanken an mein Studium und frei von dem Gedanken an die nächste Zigarette.

Wie hatte ich es soweit kommen lassen? Ich hatte es doch vor vier Jahren, als ich mit meiner Tochter schwanger war, geschafft aufzuhören. Warum rauchte ich jetzt wieder? Und noch dazu, mehr als je zuvor! Damals war es so leicht für mich aufzuhören. Am Tag als ich vom Arzt erfuhr, dass ich schwanger bin, hörte ich mit dem Rauchen auf – von heute auf morgen. Es ging nicht mehr darum, was ich meinem Körper und meiner Gesundheit antat, sondern ich hatte die Verantwortung für ein unschuldiges Kind zu übernehmen.

Als ich dann mit dem Stillen aufhörte, kam das Verlangen nach Zigaretten wieder. Ich glaube, es war das Bedürfnis, etwas von meiner unbeschwerten Jugend und damaligen Lebensstil zurück zu bekommen.

Nicht das ich mit dem Muttersein überfordert gewesen wäre, im Gegenteil. Meine Tochter ist mein Sonnenschein. Ich bin unendlich glücklich und stolz sie als Kind zu haben, aber ich merkte auch, dass ich nachdenklicher bzw. erwachsener wurde und das ging mir alles zu schnell. Dazu kam noch der Stress mit meinem Studiumsabschluss und schon hatte sich der Teufelskreis wieder geschlossen.

Während meine Tochter die Vormittage in der Krabbelstube verbrachte, arbeitete ich an meiner Diplomarbeit, wobei nicht nur mein Kopf rauchte. Auch am Nachmittag, dachte ich ständig an die nächste Gelegenheit für eine Zigarette. Ich rauchte zwar nicht in unserer Wohnung oder im Auto, hier musste ich ja wieder Verantwortung übernehmen, aber am Spielplatz genehmigte ich mir gerne das eine oder andere Zigarettchen.

Nachdem ich nicht länger ein Sklave des Rauchens sein wollte, entschloss ich mich, gleichzeitig mit dem Ende meines Studiums auch mit dem Rauchen aufzuhören. Sozusagen einen neuen Lebensabschnitt frei von Abhängigkeit.
Die ersten zwei Wochen waren wirklich hart. Ich musste ständig gegen das Verlangen nach einer Zigarette ankämpfen. Noch mehr als zuvor drehte sich in meinem Kopf alles nur ums Rauchen. Aber nach den zwei Wochen des Durchhaltens war ich schon so stolz auf mich, dass mich das noch mehr anspornte. Den normalen Tagesablauf hatte ich schon ganz gut unter Kontrolle, aber jede neue Situation, in der ich normalerweise zu einer Zigarette gegriffen hätte, brachte die Erinnerung an dieses Lustgefühl mit sich und musste überwunden werden. Viele Konstellationen verlangten immer wieder “Durchbeißen” von mir und nicht immer schaffte ich es. Vor allem in Verbindung mit Alkohol wurde ich hin und wieder schwach.

Sogar jetzt, ein halbes Jahr nachdem ich dem Rauchen aufgehört habe, fühle ich mich zeitweise immer noch als Raucherin. Nun ist der Sommer da. Mein erster Sommer ohne Zigaretten. Ohne die Zigarette, die ich so gerne im Garten auf der Hollywood-Schaukel rauchte. Ohne die Zigarette, die ich nach einem erfrischenden Bad im See unter der wärmenden Sonne genoss. Und ohne die Zigarette, die ich, so blöd es klingt, zwischen sportlichen Aktivitäten wie Radfahren und Wandern als Pause brauchte. Sie alle fehlen mir noch immer. Also frage ich mich, wie lange wird es noch dauern und wie viele Kämpfe werde ich noch zu bestehen haben, bis ich endlich zur richtigen Nicht-Raucherin geworden bin?

 

Bild 1: pixelio.de/Harry Hautumm

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